Die meisten Fräsjobs werden mit eingeschalteter Absaugung ausgeführt. In der Anfangszeit wird diese häufig noch manuell vor dem eigentlichen Programmstart eingeschaltet und nach Abschluss ebenso wieder händisch ausgeschaltet. Irgendwann werden diese manuellen Handgriffe „lästig“. Komfortabler ist es, wenn dies durch Linuxcnc automatisch erfolgt. Die Realisierung einer solchen „Automatik“ ist sehr einfach und günstig umzusetzen.

Achtung: Arbeiten an 230V dürfen nur von autorisierten Personen durchgeführt werden! Lebensgefahr!

Das Prinzip der Trennung von Netzspannung und Steuerungskomponenten ist empfehlenswert und erlaubt zudem auch eine räumliche Trennung und klare Anordnung der einzelnen Komponenten im Schaltschrank. 

Hardware

Benötigt wird eine Schukosteckdose mit einem vorgeschalteten Relais, welches an die CNC-Steuerung angeschlossen wird. Verwendet werden können beispielsweise Koppelrelais (Type 95.05). Diese gibt es für ca 10€/Stück und für Steuerspannungen von 5-24V. Links im Bild ist eine SSR-Ausführung zu sehen, rechts im Bild ein Koppelrelais mit herkömmlichem mechanischem Relais. Die SSR-Versionen haben oft eine geringere Schaltleistung als herkömmliche mechanische Ausführungen, bieten dafür aber auch eine erhebliche geringere Leistungsaufnahme (beispielsweise 12mA anstatt 102mA). Stellt das Breakoutboard also nur geringe Ströme an den Ausgängen zur Verfügung, kann es erforderlich sein ein solches SSR-Relais zu verwenden oder zusätzlich noch vor das herkömmliche Relais zu schalten. 

 

An Schukosteckdosen werden meist Modelle zum „Einbau“ oder für die Hutschiene verwendet die für ca 2€/Stück erhältlich sind:

Anschluss 

Der Anschluss an den Steuerungsrechner ist abhängig vom verwendeten Breakoutboard. Das folgende Beispielbild bezieht sich daher ausschließlich auf die Verwendung einer Triplebeast. 
Der Verbindung zwischen Triplebeast und Relais ist sehr einfach: An den Eingängen 1&2 der Klemme X4 wird die für das Relais verwendete Steuerspannung angelegt. An den Ausgängen3/4 und 5/6 können je ein Koppelrelais angeschlossen werden.

Die Konfiguration

Jedes zu steuernde Relais benötigt einen freien Ausgangspin am Parallelport, der über den NET-Befehl angebunden wird:

net relais-1 => parport.0.pin-1-out
net relais-2 => parport.0.pin-16-out

Die so verfügbaren HAL-Signale für die Relais können auf verschiedene Weise in die Logik eingebunden werden:

Beispiel 1: Kopplung an Spindle-Run-Befehl

Das Relais soll nur solange aktiv sein wie die Frässpindel einen „Start-Befehl“  erhält (Bedingung: Steuerung der Frässpindel erfolgt über LinuxCNC). Die Verknüpfung lautet hierfür:

net relais-1 <= spindle.0.on

Verwendet werden kann diese Variante beispielsweise für eine zusätzliche Warnleuchte, die vor einer aktiven Spindel warnt, oder für die automatische Aktivierung einer Pumpe zur Spindelkühlung.

Beispiel 2: Kopplung an „Programmausführung“

Das Relais soll nur aktiv sein, wenn ein Programm ausgeführt wird. Dies ist nur der Fall wenn die 2 folgenden HAL-Signale „true“ (wahr) sind:

halui.program.is-running => Ein Programm wird ausgeführt

halui.mode.is-auto => LinuxCNC befindet sich im Automatikmodus

Diese beiden HAL-Signale müssen also logisch „Und“-verknüpft werden. Linuxcnc bietet hierfür die HAL-Komponente „and2“ an, die wie folgt eingebunden wird:

loadrt and2 count=1
addf and2.0 servo-thread

Als Eingabewerte erhält die and2-Komponente die beiden zu erfüllenden Bedingungen:

net halui.program.is-running => and2.0.in0
net halui.mode.is-auto => and2.0.in1

Der Ausgang der and2-Komponente wird dann mit einem oder mehreren Relais vernetzt:

net and2.0.out => relais-1

Dieses Beispiel ist geeignet für die Steuerung einer Absaugung, die erst dann eingeschaltet wird, wenn ein Fräsjob ausgeführt wird. Wenn hingegen nur die Spindel manuell eingeschaltet oder die Maschine manuell verfahren wird, so bleibt die Absaugung aus.