Es stellt sich immer wieder die Frage, wie die Opferplatte möglichst flexibel gestaltet werden kann. Im Laufe der Jahre und nach zahlreichen verschiedenen Varianten haben wir nun ein System gefunden, welches sich langfristig bewährt hat.

Begrifflichkeiten

Es wird grundsätzlich unterschieden zwischen Aufspannplatte und Opferplatte.
Die Opferplatte macht ihrem Namen alle Ehre, da in sie hinein gefräst und geschraubt werden „darf“ wenn erforderlich. Auf der Opferplatte liegen alle Werkstücke direkt auf und diese (und nur diese!) wird auch plangefräst.
Die Aufspannplatte hat hingegen eine Doppelfunktion: Zum Einen dient sie als Trägerplatte für die Opferplatte und zum Anderen enthält sie die Befestigungspunkte zum Spannen der Werkstücke in Form von eingebrachten Einschraubmuttern (siehe Linkliste).

Die Logik

…hinter dem System basiert nun auf 2 verschiedenen Lochrastern: Dem Aufspannraster und dem Anlegeraster:

Das Aufspannraster dient zum Befestigen der Spannmittel und befindet sich sowohl in der Opfer- als auch in der Aufspannplatte.

Das Anlegeraster befindet sich ausschließlich in der Opferplatte und ist lediglich für das Einsetzen von Passstiften vorgesehen, an die dann später die Werkstücke angelegt werden können.
Beide Raster haben ein Rastermaß von 50mm, jedoch ist das Aufspannraster in X und Y um jeweils 25mm versetzt zum Anlegeraster. D.h. der Abstand zwischen einem Aufspannloch und den 4 jeweils umgebenden Anlegelöchern ist ungefähr gleich. Das Anlegeraster (für Passstifte) ist so ausgerichtet, dass es rechts und oberhalb der ersten Lochreihe (von links und „unten“) mit den Nullpunkten der X- und Y-Achse übereinstimmt:

Die Praxis

Werkstücke werden immer am Anlegeraster ausgerichtet und befinden sich somit in einer definierten und bekannten Position auf die das Werkstück schon im CAM ausgerichtet wird. Auf diese Art entfällt bei ausreichend genauer Referenzierung das Antasten des Werkstücks in X- und Y-Richtung.
Das Spannen der Werkstücke erfolgt mittels langer metrischer Schrauben, die durch das Aufspannraster in der Opferplatte hindurch in die Einschraubmuttern der Aufspannplatte geschraubt werden. Als Alternative zum Spannen mittels langer Schrauben hat sich auch die Kombination aus Gewindestange mit U-Scheibe&Mutter als sehr flexibel und langlebig erwiesen.
Und so sieht es dann in der Praxis aus: Zu erkennen sind die beiden Lochraster auch am unterschiedlichen Durchmesser der Löcher. Die Mutter+U-Scheibe auf der Opferplatte hat eine Doppelfunktion. Zum Einen fixiert sie die Opferplatte auf der Aufspannplatte und zum anderen fixiert sie die Gewindestange selbst. So ist es problemlos möglich, die obere Mutter mittels Akkuschrauber schnell zu lösen oder anzuziehen, ohne dass sich die Gewindestange mitdreht.
Das Spannen nach dieser Methode hat einige Vorzüge:
Spannvorrichtungen können für unterschiedliche Zwecke nach dem gleichen Prinzip erstellt werden.
Die Aufspannbohrungen dienen gleichzeitig zur Fixierung der Opferplatte und können flexibel versetzt werden, sollten sie einmal im Wege sein (Achtung: Aber niemals alle Schrauben zur Fixierung der Opferplatte gleichzeitig lösen!)
Opferplatte und Aufspannplatte werden um das aufgespannte Werkstück herum durch die Spannmittel zusammengepresst und fixiert.
Da keine Holzschrauben Verwendung finden, die nach kurzem Gebrauch meist zu ausgerissenen Löchern im Material der Opferplatte führen, ergibt sich eine sehr hohe Lebensdauer des Gesamtsystems.

Tipps

Als Anlegehilfe haben sich Passstifte mit 6mm, die in die Anlegelöcher (senkrecht!) eingeklopft werden, hervorragend bewährt. Besonders praktisch sind hier 6mm Passstifte mit M4 Innengewinde (siehe Linkliste)– diese lassen sich mit einer M4 Schraube + selbstgebautem T-Griff wie ein Korken einfach wieder herausziehen.
Die zum Fixieren der Opferplatte verwendeten Aufspannlöcher senken und Senkkopfschrauben verwenden, damit die Planfräsung auch an dieser Stelle möglich ist.
Keine seitlichen Spannmittel verwenden, wenn das Werkstück an Passstiften anliegt – diese verschieben das Werkstück unter Druck seitlich und „leiern“ das Anlegeloch aus. Grundregel: Kein Druck auf die Passstifte ausüben, Werkstücke nur „anlegen“!

Als Opferplatte hat sich OSB mit 22m Dicke hervorragend bewährt. MDF ist sehr „weich, „strukturlos“ und sehr anfällig für Feuchtigkeitsänderungen (verbiegt sich). Ich habe aktuell eine MDF und eine OSB-Platte „draußen“ stehen. Eigentlich sollten sie demnächst mal entsorgt werden. Aber hier kann man gut sehen, wie unterschiedlich die Platten arbeiten: Die OSB-Platte bleibt „gerade“, wohingegen die MDF-Platte je nach Wetterlage regelrecht zur „Banane“ wird.
Die Oberfläche einer plangefrästen OSB-Platte ist für den Hobbybereich sehr gut geeignet. OSB-Platten bekommt man günstig im Holzhandel mit den Maßen 250cmx67,5cm. Hieraus lassen sich mit einem Schnitt 2 vollständige Opferplatten für eine Frieda L1000 herstellen (1200x67cm). Den Schnitt gibt’s in einem guten Baumarkt/Holzhandel sogar meist umsonst („Transportschnitt“).
Die Aufspannlöcher in der Aufspannplatte sollten Durchgangslöcher sein, damit Dreck durchfallen kann. Ansonsten hilft bei „Verstopfung“ auch ein kurzer Stoß mit Druckluft oder ein „drübersaugen“.

Leave Comment